Dieses Jahr findet die WM in Mora (Schweden) statt, daher durften wir diesen Sommer den grossen schwedischen Orientierungslauf-Event, den O-Ringen, auf keinen Fall verpassen!
Der O-Ringen fand in den Wäldern rund um Göteborg, der zweitgrössten Stadt in Schweden, statt – in einem Gelände, das durch viele Wurzeln und Steine gekennzeichnet ist, über ein gutes Netz an Trails verfügt und sich ausgezeichnet für knifflige Routenwahlen eignet. Am Anreisetag, einen Tag bevor die Wettkämpfe begannen, konnten wir das Wegenetz in den Wäldern direkt neben unserer Unterkunft erkunden und uns so ein Bild davon machen, was uns erwarten könnte. Dies gab uns zusätzliche Motivation, um die bevorstehende intensive Woche in Angriff zu nehmen.
Die Wettkämpfe begannen mit einer Langdistanz (welche ihren Namen vor allem bei Damen Elite mit einer Siegerzeit von gut 140 Minuten mehr als verdiente) in den Wäldern und entlang der Seen rund um das Haus des grössten OL-Vereins der Region, dem IFK Göteborg. Es gab einige lange Routenwahlen und biketechnisch anspruchsvolle Passagen auf wunderschönen Trails. Teilweise lohnte es sich aber, die Umfahrrouten zu nehmen – auf der Suche nach schnelleren Wegen, dafür aber mit einer längeren Distanz. Das Gelände war an manchen Stellen wirklich wild, ein perfekter Einstieg in eine Rennwoche mit sehr hohen Ansprüchen in allen Belangen! In der Kategorie Damen Elite lautete das Ergebnis: 1. Celine Wellenreiter, 2. Jana Lüscher, 3. Ursina Jäggi – die drei Schweizerinnen dominierten damit trotz internationaler Konkurrenz. Auch in der Herre Elite Kategorie gingen die ersten beiden Plätze an Schweizer Fahrer: 1. Simon Hellmüller, der ehemalige Kaderathlet, und 2. Noah Rieder. In der Kategorie Damen 20 sicherte sich Malin Röhrl einen soliden 2. Platz.

Die zweite Etappe war eine Mitteldistanz, welche erneut in den Wäldern am Rande vom Klubhaus des IFK Göteborgs stattfand, wo ein Grossteil der Strecke zwar weiterhin auf Singletrails verlief, diesmal jedoch insgesamt besser befahrbar war – dies wohl deshalb, weil sich das Gebiet in Stadtnähe befand und damit die Wege viel stärker frequentiert werden, somit konnten höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Celine Wellenreiter dominierte bei Damen Elite erneut, und in der Gesamtwertung blieb Celine auf Platz 1. und Jana auf Platz 2. Bei den Herren Elite sicherte sich Noah Rieder den Tagessieg und überholte damit Simon Hellmüller in der Gesamtwertung, während Simon Hellmüller in dieser Etappe den 3. Platz belegte. In der Kategorie Damen 20 behauptete Malin Röhrl erneut den 2. Platz, während Jann Wittwer bei den Herren 20 den 3. Platz belegte.
Die dritte Etappe wurde auf einem Gelände ausgetragen, das „kleine“ Waldabschnitte mit dazwischenliegenden städtischen Abschnitten kombinierte und eine ständige Anpassung an das wechselnde Gelände erforderte. Dabei wurde eine Mitteldistanzstrecke mit einem eher sprintartigen Streckenverlauf am Ende des Rennens kombiniert. Damit war bis zum Schluss höchste Konzentration gefordert. In Damen Elite gewann diesmal Jana Lüscher die Etappe, während sich Adrian Jäggi bei den Herren Elite den 3. Platz sicherte. In der Gesamtwertung gab es ebenfalls ein paar Veränderungen, unter anderem konnte Simon Hellmüller wieder an Noah Rieder vorbeiziehen, in der Frauenwertung blieb die Reihenfolge unverändert: Celine lag weiterhin souverän an der Spitze, jedoch mit etwas kleinerem Vorsprung. Bei den Damen 20 holte sich Malin Röhrl den Sieg, während Jann Wittwer bei Herren 20 den 2. Platz belegte.

Nach drei Rennen war es Zeit für einen wohlverdienten Ruhetag, den wir bei einer Freundin aus dem schwedischen Nationalkader starteten. Sie hatte uns zu einer traditionellen „Fika“ (Kaffee und Kuchen, typisch schwedisch – ihr kennt das sicher, wenn ihr schon einmal dort wart) eingeladen. Der Rest des Tages verbrachten alle mit unterschiedlichem Programm: Einige machten eine Biketour, um die Beine etwas auszuschütteln und sich zu erholen, und entspannten anschliessend an (und in) einem See, andere fuhren ans Meer, und wieder andere nutzten die Gelegenheit, das Volvo-Museum und den Vergnügungspark in Göteborg zu besuchen. So ging auch der Ruhetag schnell vorbei… Egal bei welchem Programm, wir konnten alle neue Energie für die beiden noch anstehenden Wettkampftage tanken.
Die vierte Etappe am darauffolgenden Tag war ein verlängerter Sprint, der auf einem bewaldeten Hügel stattfand. Auf besagtem Hügel war es teilweise sogar erlaubt, querfeldein zu biken, was ansonsten in Schweden nicht gestattet ist. Der Schlüssel zum Erfolg lag darin, ein hohes Tempo beizubehalten, darauf zu achten, keine Abzweigungen zu verpassen, und die kürzesten Wege zu wählen. Im Rennen der Damen Elite belegten erneut Celine und Jana (in dieser Reihenfolge) die ersten beiden Plätze, während Silas Hotz bei den Herren Elite eine grossartige Leistung zeigte und sich den 3. Platz in einem sehr umkämpften Rennen sicherte. Bei den Juniorinnen sicherte sich Malin erneut den sehr guten 2. Platz.
Die fünfte und letzte Etappe war eine angekündigte verkürzte Langdistanz im Jagdstart-Format, welche sich aber wie von uns bereits erwartet als ausgewachsene Langdistanz entpuppte. Mit der Motivation und dem zusätzlichen Ansporn des Jagdstarts machten sich an diesem leicht regnerischen und feuchten Tag alle voller Ehrgeiz auf den Weg, um sich in der Gesamtwertung einen noch besseren Platz zu sichern. Die Wurzeln waren rutschig, die Steine auch, und manche Wege schienen tief im Wald versteckt zu liegen. Auch wenn das Gelände es den Fahrern alles andere als leicht machte, spielten schliesslich alle ihre Karten aus, und die Gesamtwertung sah am Ende wie folgt aus:
Damen Elite
1. Celine Wellenreiter
2. Jana Lüscher Alemany
3. Cæcilie Christoffersen (DK)
4. Karin E Gustafsson (SWE)
5. Ursina Jäggi
Herren Elite
1. Simon Hellmüller
2. Krystof Bogar (CZ)
3. Noah Rieder
4. Adrian Jäggi
5. Marcus Wehlin (SWE)
Erwähnenswert sind ausserdem der 2. Platz von Malin Röhrl in der Gesamtwertung bei Damen 20 sowie die starken Leistungen der Athleten Silas Hotz, Flurin Schnyder und Jann Wittwer.

Und damit ging eine grossartige Woche am O-Ringen zu Ende – mit einigen schönen Rennen in fantastischem Gelände und mit Erinnerungen und Erfahrungen, die uns sicherlich dabei helfen werden, noch weiter zu kommen. Obwohl sich das Gelände von demjenigen der WM unterscheiden wird – im Allgemeinen mit weniger Höhe, mit schnelleren und sandigeren Abschnitten –, hat es uns alle in der WM-Vorbereitung wieder einen Schritt nach vorne gebracht. Einige kehren nun nach Hause zurück, andere bleiben in Schweden, aber wir werden uns alle in ein paar Wochen in Norwegen wieder treffen, um unsere Vorbereitungen für die Weltmeisterschaften abzuschliessen, welche vom 25. bis 30. August in Mora stattfinden und die ihr auf unserem Instagram-Kanal und auf IOF Live verfolgen könnt.
